Kurz gesagt
AI Literacy heißt in der deutschen Fassung der KI-Verordnung KI-Kompetenz. Artikel 3 Nummer 56 definiert sie als Fähigkeiten, Kenntnisse und Verständnis, um KI-Systeme sachkundig einzusetzen und sich der Chancen, Risiken und möglichen Schäden bewusst zu werden. Unternehmen fördern sie nach Artikel 4 durch Maßnahmen, die zu Rolle und Einsatz passen. Ein Zertifikat verlangt die Verordnung nicht.
Was ist AI Literacy (KI-Kompetenz)?
AI Literacy ist der englische Begriff der KI-Verordnung, die deutsche Fassung sagt KI-Kompetenz. Artikel 3 Nummer 56 definiert sie als „die Fähigkeiten, die Kenntnisse und das Verständnis“, die es Anbietern, Betreibern und Betroffenen ermöglichen, „KI-Systeme sachkundig einzusetzen sowie sich der Chancen und Risiken von KI und möglicher Schäden, die sie verursachen kann, bewusst zu werden“.
Erwägungsgrund 20 der Verordnung beschreibt, was dazugehören kann: das Verstehen der korrekten Anwendung technischer Elemente, der bei der Verwendung anzuwendenden Maßnahmen und der geeigneten Auslegung der Ausgaben eines KI-Systems. Für Betroffene gehört dazu das Wissen, wie sich KI-gestützte Entscheidungen auf sie auswirken.
Rechtlich verankert ist die Förderung dieser Kompetenz in Artikel 4. Was Unternehmen nach der Neufassung von Juli 2026 tun müssen und was nicht, erklärt die Seite zur KI-Schulungspflicht.
Woraus besteht KI-Kompetenz im Arbeitsalltag?
Die Definition nennt drei Bausteine und drei Dinge, derer man sich bewusst sein soll. Übersetzt in den Arbeitsalltag eines Teams, das generative KI nutzt, ergibt sich die folgende Übersicht. Die Beispiele stützen sich auf die Empfehlungen des BSI zur Sensibilisierung von Nutzenden (Maßnahme M16).
Das BSI schreibt dort, Nutzende sollen Ausgaben kritisch hinterfragen, Inhalte gegebenenfalls anpassen und ihre Weiterverwendung einschränken können. Es empfiehlt außerdem, Beschäftigte gezielt für die Eingabe persönlicher oder sonstiger vertraulicher Daten zu sensibilisieren.
Besonders wichtig ist der Umgang mit Halluzinationen. Das BSI beschreibt, dass Modelle Inhalte erfinden, die weder in der Eingabe noch in den Trainingsdaten standen, und dass diese Ausgaben meist glaubhaft wirken. Das gilt nach dem BSI ausdrücklich auch für Verweise auf wissenschaftliche Publikationen, die selbst frei erfunden sein können. Wer das weiß, prüft Quellen, bevor er sie weitergibt.
| Baustein | Was er bedeutet | Beispiel aus dem Alltag |
|---|---|---|
| Kenntnisse | Wissen, wie ein Sprachmodell Text erzeugt und wo seine Grenzen liegen | Wissen, dass ein Modell ohne Echtzeitdaten keine aktuellen Ereignisse kennt |
| Fähigkeiten | Werkzeuge gezielt und regelkonform bedienen | Nur freigegebene Werkzeuge mit Firmenkonto nutzen |
| Verständnis | Ergebnisse richtig einordnen | Eine KI-Zusammenfassung als Entwurf behandeln und prüfen |
| Chancen | Erkennen, wo KI Arbeit erleichtert | Erste Fassung eines Protokolls erstellen lassen |
| Risiken | Typische Fehlerquellen kennen | Erfundene Quellen und Zahlen erkennen (Halluzinationen) |
| Mögliche Schäden | Folgen für Menschen und Unternehmen abschätzen | Keine Personaldaten in ein nicht freigegebenes Werkzeug kopieren |
Welche KI-Kompetenz braucht welche Rolle?
Artikel 4 verlangt, Vorkenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und den Einsatzkontext zu berücksichtigen. Die Bundesnetzagentur schlägt dafür einen stufenweisen Aufbau vor und betont, dass diese Inhalte weder verpflichtend noch abschließend sind.
Die Kommission ergänzt in ihren Fragen und Antworten, dass es keine Lösung für alle gibt. Wer ChatGPT für Werbetexte oder Übersetzungen nutzt, sollte laut Kommission über konkrete Risiken wie Halluzinationen informiert sein. Wer ein System baut oder Entscheidungen über Menschen damit vorbereitet, braucht mehr.
Stufe 1: Grundlagen für alle
Grundlagen von Daten und KI, allgemeine Chancen und Risiken, die internen Regeln zur Nutzung.
Stufe 2: Rolle und Recht
Rolle der Organisation in der Wertschöpfungskette, technische Aspekte und rechtliche Einordnung, etwa für Führungskräfte und Fachverantwortliche.
Stufe 3: Training je Rolle
Vertiefung für Technik, Recht oder Ethik, zum Beispiel für die IT, die Personalabteilung oder den Datenschutz.
Wie sieht eine KI-Kompetenz-Schulung aus?
Eine KI-Kompetenz-Schulung ist eine von mehreren Maßnahmen. Die Bundesnetzagentur stellt klar, dass die Verordnung kein Format und keine Standardtrainings vorschreibt; Maßnahmen dürfen intern oder extern stattfinden. Die Kommission hält fest, dass der bloße Verweis auf Gebrauchsanleitungen oft nicht wirkt.
Wirksam sind Formate, die an den tatsächlichen Werkzeugen ansetzen. Wer im Team mit Microsoft 365 Copilot arbeitet, übt am besten mit den eigenen Dokumenten und Rechten, wie es die Seite zur Copilot-Schulung beschreibt. Für Teams mit ChatGPT gilt dasselbe für Kontoarten, Datenfreigaben und Prüfschritte; Details dazu stehen auf der Seite zur ChatGPT-Schulung.
Die Datenschutzkonferenz empfiehlt zusätzlich, Beschäftigte durch Schulungen, Leitfäden und Gespräche dafür zu sensibilisieren, ob und wie sie KI-Anwendungen nutzen dürfen. Eine kurze schriftliche Nutzungsregel ergänzt jede Schulung; eine Vorlage dafür bietet die Seite zur KI-Richtlinie auf kiagentensicherheit.de.
Wie weisen Sie KI-Kompetenz nach?
Einen KI-Kompetenz-Nachweis in Form eines Zertifikats verlangt die Verordnung nicht. Die Kommission schreibt ausdrücklich, dass kein Zertifikat nötig ist, und nennt interne Aufzeichnungen über Schulungen und andere Maßnahmen als Möglichkeit. Seit der Neufassung muss ein Unternehmen zudem kein bestimmtes Niveau je Person garantieren.
Belegt wird deshalb vor allem, was das Unternehmen getan hat. Die Bundesnetzagentur empfiehlt, Art, Umfang und Teilnehmende der Maßnahmen zu dokumentieren. Teilnahmebescheinigungen externer Kurse können Teil dieser Dokumentation sein, ersetzen sie aber nicht. Was Kursnamen wie „KI-Führerschein“ aussagen, steht auf der Seite zum KI-Führerschein.
Für die interne Dokumentation reicht eine Übersicht je Maßnahme: welches Werkzeug, welche Zielgruppe, welche Inhalte, wer teilgenommen hat und wann die nächste Auffrischung ansteht. Eine kurze Wissensabfrage am Ende einer Schulung kann zeigen, ob die Inhalte angekommen sind. Vorgeschrieben ist sie nicht, sie hilft aber bei der Entscheidung, wo Sie nachschulen.
Die Kommission sammelt Beispiele aus Unternehmen in einem öffentlichen Verzeichnis. Sie weist darauf hin, dass die Übernahme eines Beispiels nicht automatisch die Vermutung begründet, Artikel 4 sei erfüllt.
AI Literacy außerhalb der KI-Verordnung
Der Begriff AI Literacy wird auch in der Bildungspolitik verwendet. Am 18. Juni 2026 haben die Europäische Kommission und die OECD ein AI Literacy Framework vorgestellt. Es richtet sich an Lehrkräfte, Schulleitungen und Bildungspolitik in Primar- und Sekundarstufe.
Das Framework ordnet KI-Kompetenz in vier Bereiche: mit KI umgehen, mit KI gestalten, KI steuern und KI mitprägen (im Original engage, create, manage und shape). Mit Artikel 4 hat das Framework rechtlich nichts zu tun. Für die Planung im Unternehmen kann es trotzdem helfen, die eigenen Lernziele zu sortieren.
Checkliste: Was Ihr Team konkret tut
KI-Kompetenz zeigt sich daran, wie Menschen im Alltag mit KI-Ergebnissen umgehen. Diese vier Regeln lassen sich in jeder Schulung üben und gelten für jedes Werkzeug. Gefälschte Stimmen und Videos gehören ebenfalls dazu; wie man sie erkennt, zeigt die Seite Deepfakes erkennen.
Wenn Sie die Regeln mit realistischen Fällen aus Ihrem Arbeitsalltag üben möchten, können Sie ein Training für Ihr Team anfragen.
- Daten schützen: Vertrauliche Daten nur in freigegebene Werkzeuge mit Firmenkonto.
- Zweiten Kanal nutzen: Zahlungs- und Datenanfragen per Rückruf bestätigen.
- Ergebnisse prüfen: Fakten, Zahlen und Quellen aus KI-Antworten vor der Weitergabe selbst nachprüfen.
- Vorfälle melden: Fehleingaben und verdächtige Inhalte sofort über den festgelegten Meldeweg melden.
Häufige Fragen
Was bedeutet AI Literacy auf Deutsch?
Die deutsche Fassung der KI-Verordnung übersetzt AI Literacy mit KI-Kompetenz. Gemeint sind Fähigkeiten, Kenntnisse und Verständnis, um KI-Systeme sachkundig einzusetzen und Chancen, Risiken und mögliche Schäden zu erkennen.
Ist KI-Kompetenz Pflicht?
Artikel 4 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz ihres Personals zu ergreifen. Seit der Neufassung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 müssen sie kein bestimmtes Niveau je Person garantieren.
Was gehört in eine KI-Kompetenz-Schulung?
Feste Inhalte schreibt die Verordnung nicht vor. Naheliegend sind die Grundlagen der genutzten Werkzeuge, die internen Regeln zu Daten und Freigaben, das Prüfen von Ergebnissen auf Halluzinationen und der Meldeweg bei Fehlern. Für einzelne Rollen kommen Recht, Technik oder Ethik hinzu.
Braucht jede Person dieselbe Schulung?
Nein. Artikel 4 verlangt, Vorkenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und Einsatzkontext zu berücksichtigen. Die Kommission betont, dass es keine Lösung für alle gibt, und die Bundesnetzagentur schlägt Grundlagen für alle und Vertiefungen je Rolle vor.
Wie lange ist ein KI-Kompetenz-Nachweis gültig?
Die Verordnung kennt weder einen formellen Nachweis noch eine Gültigkeitsdauer. Die Bundesnetzagentur empfiehlt, Maßnahmen zu evaluieren und aufzufrischen. Sinnvolle Anlässe sind neue Werkzeuge, neue Aufgaben oder ein Vorfall.
Zählen kostenlose Onlinekurse als Maßnahme?
Die Verordnung schreibt kein Format vor, also können auch Onlinekurse Teil der Maßnahmen sein. Die Bundesnetzagentur verweist selbst auf kostenlose Angebote, etwa von KI-Campus. Ergänzen Sie solche Kurse um Inhalte zu den Werkzeugen und Regeln Ihres Unternehmens.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), konsolidierte Fassung vom 27.07.2026, Artikel 3 Nr. 56 und Artikel 4, EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2024/1689, Erwägungsgrund 20, EUR-Lex
- AI Literacy: Questions & Answers (Stand 20.10.2026), Europäische Kommission
- Living repository to foster learning and exchange on AI literacy, Europäische Kommission
- KI-Kompetenz (KI-Service Desk), Bundesnetzagentur
- Generative KI-Modelle: Chancen und Risiken für Industrie und Behörden, Maßnahme M16, BSI
- Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz (6. Mai 2024), Datenschutzkonferenz (DSK)
- Commission presents AI Literacy Framework with the OECD (18.06.2026), Europäische Kommission